Herzlich Willkommen! In der Rubrik Die ersten Schritte erklären wir Ihnen ausführlich, wie man Aktien kauft. Aber auch erfahrene Anleger finden auf unserer Seite viele spannende Artikel rund um die Börse. Wir wünschen viel Erfolg!

Aktienauswahl: Was ist Fundamentalanalyse?

Wenn Ihnen die Chartanalyse nicht greifbar genug ist und Sie lieber mit geprüften Daten arbeiten, dann sind Sie bei der Fundamentalanalyse richtig. In diesem Artikel stellen wir Ihnen die Methode vor, die eigentlich jeder Trader anwendet. Es gibt sehr wenige, die wirklich ausschließlich einen Kurschart betrachten und sich nicht genauer über ein Unternehmen informieren.

Was bedeutet Fundamentalanalyse?

Bei der Fundamentalanalyse wird ein Unternehmen sozusagen auf Herz und Niere geprüft. Man zieht alle möglichen Kennzahlen (siehe unten) heran, um zu prüfen, ob ein Unternehmen gut darsteht, also ein gesundes ‚Fundament‘ hat. Solide Unternehmen erweisen sich als krisenfest und überstehen das ein oder andere Börsentief. Man versucht die Frage zu beantworten, wie teuer das Unternehmen in Wirklichkeit ist und ob der Preis an der Börse gerade gerechtfertigt ist. Natürlich ist diese Bewertung auch oft sehr subjektiv, denn viele Kennzahlen beruhen auch auf Prognosen („Wie fällt der Unternehmensgewinn in den nächsten Jahren aus?“). Aber auch aus den vergangenheitsorientierten Daten lassen sich viele wichtigen Rückschlüsse über ein Unternehmen ziehen. Man geht davon aus, dass der Markwert eines Unternehmens (Anzahl der Aktien*Aktienkurs) sich diesem wahren (inneren) Werte eines Unternehmens langfristig annähert.

Woher bekomme ich die Daten für die Fundamentalanalyse?

Die Kennzahlen und einen detaillierten Überblick über alle Geschäftsfelder eines Unternehmens bekommen Sie aus dem jährlichen Geschäftsbericht. Sie finden den Geschäftsbericht meist unter dem Punkt ‚Investors Relation‘ auf der Homepage eines Unternehmens. Der wichtigste Teil dieses Berichts ist die Unternehmensbilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung. Daraus können Sie alle Kennzahlen herleiten, die Sie brauchen. Aber keine Sorge, Sie müssen sich nicht den Kopf zerbrechen und alle Kennzahlen selbst berechnen. Viele große Finanzportale, wie zum Beispiel finanzen.net bieten eine gute Übersicht mit den gängigsten Kennzahlen.

 

Aktienauswahl mit Fundamentalanalyse

Wenn das Fundament auf Sand gebaut ist, nützt auch eine schöne Außenfassade nicht viel
Quelle: Fotolia.de © fleming-design

 

Kennzahlen der Fundamentalanalyse

 

Fangen wir mit der wichtigsten (bekanntesten) Kennzahl an:

Kurs- Gewinn – Verhältnis (KGV)

\mbox{KGV} = \frac{\mbox{Kurs einer Aktie}}{\mbox{Gewinn je Aktie}}\!\

Beispiel: Ein Aktienkurs liegt im April 2015 bei 100 €. Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2014 laut Geschäftsbericht einen Gewinn von 12,5 € pro Aktie erwirtschaftet. Dann ergibt sich ein KGV von 100/12,5 = 8.

Interpretation:

  1. Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2014 wird das Unternehmen an der Börse 8 mal so so teuer bewertet.
  2. Es dauert 8 Jahre bis der Kaufpreis allein durch die Gewinne des Unternehmens wieder reingeholt wurden.

Anmerkungen:

  • Das KGV wird oft auch für zukünftige Prognosen benutzt und dann als KGVe (erwartet) bezeichnet. Die Gewinne sind dann geschätzt.
  • Je kleiner das KGV desto besser.
  • Die obigen Interpretationen gelten nicht für negative KGV’s.
  • Der historische KGV des DAX liegt bei knapp 15.
  • Je nach Branche können KGV’s ganz unterschiedlich hoch ausfallen. Tipp: Vergleichen Sie das KGV eines Unternehmens nur mit einem KGV eines Unternehmens derselben Branche.

 

Jahresüberschuss

Formal handelt es sich um die Differenz aus Erträgen und Aufwendungen, die Sie der Gewinn- und Verlustrechnung entnehmen können. Auf gut deutsch beantwortet der Jahresüberschuss die Frage: „Was bleibt unter dem Strich übrig?“ oder anders ausgedrückt: „Wie viel Gewinn hat das Unternehmen in einer bestimmten Zeitperiode erwirtschaftet?“.
Ein steigendes (positives) Gewinnwachstum über mehrere Jahre ist meist der Ausdruck eines wirtschaftlich gesunden Unternehmens.

Anmerkung: Zur internationalen Vergleichbarkeit ist der Jahresüberschuss keine brauchbare Kennzahl, da zum Beispiel der Steuersatz in vielen Ländern variiert. In solchen Fällen ist man mit dem EBIT (Earnings before interest and taxes = Gewinn vor Steuern und Zinsen) gut bedient.

 

Cashflow

Der Cashflow erlaubt eine Aussage über die Finanzkraft eines Unternehmens. Man geht von einer bestimmten Abrechnungsperiode aus und schaut, wie viel Geld erwirtschaftet worden ist und wie viel Geld abgeflossen ist (Saldo zwischen Einzahlung und Auszahlung). Es geht um den konkreten Mittelzufluss und hat nicht unbedingt etwas mit dem Gewinn eines Unternehmens zu gut. Das heißt zum Beispiel, dass Aufwendungen nicht berücksichtigt werden, wenn diese nicht in der entsprechenden Periode zahlungswirksam werden.

Interpretation:

  1. Wie liquide ist ein Unternehmen?
  2. Können Investitionen aus eigener Kraft gestemmt werden?
  3. Ist genug Bargeld für kurzfristige Schuldentilgung und Zinszahlungen?

 

Cashflow bei Fundamentalanalyse

Beim Cashflow geht es darum, wie viel Geld erwirtschaftet worden ist.
Quelle: Fotolia.de  © Robert Kneschke

 

Eigenkapitalquote

\text{Eigenkapitalquote} = \frac{\text{(wirtschaftliches) Eigenkapital}}{\text{ Bilanzsumme (Gesamtkapital)}}

Eine recht einfach zu berechnenden Kennzahl, aber enorm wichtig: Wie viel Kapital im Verhältnis zum Gesamtkapital gehört dem Unternehmen selbst? Der Gegensatz zum Eigenkapital ist das Fremdkapital, was unter Umständen sehr problematisch sein kann, da es eine Abhängigkeit – zu zum Beispiel Kreditinstituten – hervorrufen kann. Eine hohe Eigenkapitalquote (Benjamin Graham war der Meinung, dass diese bei 50 % liegen sollte), ermöglicht es dem Unternehmen in Krisenzeiten auf eigene Reserven zurück zu greifen. Heute geht man davon aus, dass die EKQ zwischen 30-40 % liegen sollte, damit ein Unternehmen finanziell solide aufgestellt ist. Sehr beliebt ist auch die Eigenkapitalrendite, bei der Sie den Gewinn (vor Steuern) durch das Eigenkapital teilen. Diese Zahl sagt Ihnen, wie rentabel ein Unternehmen wirtschaftet.

Anmerkung: Viele Deutschen Unternehmen habe eine sehr niedrige Eigenkapitalquote.


Dividendenrendite

\frac{\text{Dividende}}{\text{Aktienkurs}}  \times 100 %

Wie Sie in dem Kapitel Aktienkauf gelernt haben, schütten viele Unternehmen einen Dividende aus. Diese Dividende können Sie auch als Zins ihrer Investition interpretieren: Wenn Ich eine Aktie für 20 € gekauft habe und im nächsten Jahr eine Dividende von 50 Cent bekomme, dann habe ich mein Geld mit 0,5/20*100 = 2,5 % verzinst. Aber Achtung: Dividenden müssen nicht regelmäßig ausgezahlt werden und können in schlechten Geschäftsjahren auch einfach mal gestrichen werden.

 

Schwirrt Ihnen schon der Kopf vor lauter Kennzahlen? Sie haben es fast geschafft!


Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

 

\text{KBV} = \frac{\text{Kurs einer Aktie}}{\text{Buchwert je Aktie}}

Bei dem KBV wird der Aktienkurs durch den Buchwert geteilt. Der Buchwert eines Unternehmens entspricht mehr oder weniger dem Anlagevermögen und sagt etwas aus über die Substanz eines Unternehmens aus, also der Wert z.B. des Fuhrparks, teurer Maschinen, Immobilien etc. ….
Achtung: Wenn eine Firma viel Substanzwert hat, heißt das noch lange nicht, dass diese gewinnbringend wirtschaftet. Eine stillgelegte Produktionshalle zählt auch zu dem Anlagevermögen.
Das KBV is besonders wertvoll in Krisenzeiten oder wenn der Aktienkurs stark schwankt. Man sagt, bei einem KBV unter 1, dass das Unternehmen unterbewertet ist und bei einem Wert über 1, dass es entweder fair oder überbewertet ist.

Natürlich gibt es noch mehr Kennzahlen, aber oftmals ist es sinnvoller einen geeigneten Strategieplan aufzustellen, anstatt sich im Zahlendschungel zu verlieren. Benjamin Graham hat, um aussagekräftigere Zahlen zu bekommen, zum Beispiel den Durchschnitt der KGV’s in den letzten 3 Jahre (vor dem jeweiligen Investment) genommen. Ihm war Regelmäßigkeit auch sehr wichtig: Das Unternehmen sollte regelmäßig Dividenden ausschütten und nie einen negativen Jahresüberschuss aufweisen. Stellen Sie ihren eigenen Investmentplan auf!

Wie bewerte Ich das Unternehmen mit den Kennzahlen?

Wie schon angesprochen, nützen einzelne Kennzahlen alleine nicht viel, um ein aussagekräftiges Bild des Unternehmens zu bekommen. Bei Wikipedia ist ein Plan aufgestellt, wie eine Gesamtbewertung eines Unternehmens eventuell aussehen könnte:

Bewertung mit Fundamentalanalyse
Da kommt jetzt auch die Schwierigkeit (und Chance) ins Spiel: Eine Bewertung ist auch ein Stück weit subjektiv. Wie stark soll ich die einzelnen Faktoren gewichten? Ein Beispiel liefert wieder Graham: Das KGV und KBV sollen zusammen den Wert 22,5 nicht übersteigen. Was heißt das: Wenn das KGV den Wert = 15 hat, darf das KBV höchstens 1,5 aufweisen, weil 15*1,5=22,5.
Stellen Sie aber lieber ihrer eigenen Regeln auf und bewerten Sie das besonders stark, was Ihnen persönlich wichtig ist.

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