Herzlich Willkommen! In der Rubrik Die ersten Schritte erklären wir Ihnen ausführlich, wie man Aktien kauft. Aber auch erfahrene Anleger finden auf unserer Seite viele spannende Artikel rund um die Börse. Wir wünschen viel Erfolg!

Die Tücken der Prozentrechnung und Rendite

Vielleicht werden Sie sich nicht so gerne an den Mathematikunterricht in der Schulzeit zurück erinnern (wollen). Aber den Dreisatz kennen Sie bestimmt noch. An der Börse wird die erwirtschaftete Rendite in Prozent ausgedrückt und dient dazu ihre Investments zu bewerten. Das können Sie natürlich auch mit absoluten Zahlen tun: „Mit der Adidas-Aktie habe ich 2000 € verdient.“ Aber um verschiedene Investments vergleichen zu können, müssen Sie den Gewinn in das Verhältnis des Startkapitals setzen und dabei kommen Sie um die Prozentrechnung nicht herum. Anfangs zeigen wir einige simplen Denkfehler auf und wenden dies dann auf einen sogenannten short ETF auf den DAX an (Daher die Einstufung des Artikels in der Kategorie Fortgeschritten).

 

Viele Menschen machen Fehler, wenn es um Prozentrechnung geht. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Prozentrechnung (sowie die Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Mathematik) nicht intuitiv ist. Sie wird schlicht als unlogisch empfunden. Ein kleines Beispiel vorweg: Sie legen 100 € in Aktien an. Am folgenden Tag steigt der Kurs um 10 %, allerdings sinkt er einen Tag später auch schon wieder um 10 %. Wie viel Geld haben Sie jetzt? Die meisten denken spontan, dass es wieder 100 € sind, aber das stimmt nicht: Am ersten Tag steigt der Kurs auf 110 € (100*1,1). Jetzt fällt er um 10 % von den 110 €, was ja 11 € sind, sodass am Ende 110-11= 99 € übrig bleiben. Im Endeffekt hat man also einen Euro verloren.

Im Folgenden wollen wir ein paar dieser Fallstricke kurz erläutern:

Fehler Nr. 1) 
Hier handelt es sich noch einmal um eine Verdeutlichung des oben genannten Beispiels in extremerer Form. Sie legen wieder 100 € an. Der Kurs fällt auf 10 €, also um 90 %. Wie viel Rendite müssten Sie jetzt erwirtschaften, um wieder auf den Ausgangswert zu kommen? 90 % Rendite? In Wirklichkeit ist es eine unglaubliche Rendite von 900 %. Schauen Sie einmal nach, welche Fonds eine solche Rendite erwirtschaften (Es sind nicht viele). Daher kommt auch die Börsenregel: Machen Sie nie Verluste!

 

Fehler Nr. 2)
Diesmal läuft es besser bei Ihrem Investment: Aus 100 € haben Sie innerhalb von 5 Jahren 200 € gemacht, also eine Rendite von 100 % erwirtschaftet (was wir Ihnen auch von ganzem Herzen wünschen). Wie viel Rendite haben Sie jetzt pro Jahr erwirtschaftet? Ein kleiner Tipp: Es sind nicht 20 %. Sie müssen nämlich die Rendite so berechnen, als ob Sie das Geld auf dem Sparbuch anlegen und den Zinseszins miteinbeziehen. Die Antwort lautet: Ihr jährliche Rendite betrug knapp 15 %, weil 100*1,15^5=201 €. Bei 20 % Rendite läge Ihr Endbetrag bei fast 250 €! (100*1,2^5=249€).

Fehler Nr.3)
Sie machen aus 100 € diesmal 300 €. Wie viel Rendite haben Sie erwirtschaftet? Viele meinen, dass eine Verdreifachung einer Rendite von 300 % entspricht, aber es sind „nur“ 200 % Rendite. 100 % Rendite entspricht ja 200 €.

Die oben genannten Denkfehler wollen wir jetzt praktisch anwenden: Angenommen, sie sind pessimistisch, was die Marktlage angeht und wollen auf einen fallenden DAX setzen. Das machen Sie (aus Gebührengründen) mit einem ETF. Also zusammengefasst setzten Sie mit einem short ETF auf den DAX. Dazu haben wir uns folgenden ausgesucht, aus dem Hause der Deutschen Bank: DB X-Trackers shortdax daily ETF 1c:

 

Auf fallenden DAX spekulieren
Der prozentuale Verlauf von DAX (blau) und short ETF (gelb).

Was fällt auf? Beide starten natürlich bei 100 %. Anfang 2009 stimmt das Verhältnis noch: Der DAX halbiert sich, währen der ETF sich verdoppelt. Mit den Jahren driften die zwei Kurse allerdings unverhältnismäßig auseinander: Im Juni 2015 liegt der DAX bei einer Gesamtrendite von ca. 40 % während der ETF bei unter 50 % notiert.
Schuld daran ist, dass der ETF täglich die prozentuale Veränderung des DAX entgegengesetzt darstellt. Mit den oben genannten Besonderheiten ergibt sich dieser Verlauf.
Denken Sie also daran, wenn Sie –  wie in diesem Falle – auf den fallenden DAX spekulieren, dass der Kursverlauf nicht 1:1 wiedergegeben wird, sondern erheblich variieren kann und zwar je länger Sie investieren desto mehr. Experten sagen deshalb, dass ein short ETF immer nur für kurzfristige Spekulationen benutzt werden sollte.

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