Herzlich Willkommen! In der Rubrik Die ersten Schritte erklären wir Ihnen ausführlich, wie man Aktien kauft. Aber auch erfahrene Anleger finden auf unserer Seite viele spannende Artikel rund um die Börse. Wir wünschen viel Erfolg!

Börsenfehler: Hin und Her macht Taschen leer

Vielleicht kennen Sie folgende Situation: Irgendetwas läuft schief oder nicht so wie geplant und anstatt abzuwarten und nüchtern zu analysieren, verfallen Sie in Aktionismus und machen alles nur noch viel schlimmer. So etwas ähnliches gibt es auch an der Börse und wird mit dem Sprichwort: „Viel Hin und Her macht Taschen leer“ beschrieben.

Angenommen Sie besitzen Aktien von einem bestimmten Unternehmen. Der Aktienkurs verläuft aber nicht so wie gewünscht und Unmut macht sich breit: „Ich wusste es, dass diese Aktie nicht gut laufen wird“, „Ich hätte nicht auf … hören sollen“. Schnell wird die Aktie wieder verkauft und in ein anderes Investment umgeschichtet, das tolle Renditen verspricht. Aber auch diese Aktie dümpelt nur vor sich hin und schon wird eine neue Möglichkeit gesucht …

Was ist schlecht daran so oft zu handeln und umzuschichten? Ganz einfach: Es kostet Sie viel Geld, das erst wieder mit außergewöhnlichen Renditen wieder reingeholt werden muss (von den weißen Haaren, die Sie durch den vielen Stress bekommen mal ganz abgesehen).
Machen wir hierzu mal ein kleines Rechenexempel.

Hin und Her macht Taschen leer

Wer schläft kann nicht viel falsch machen …

 

Rechenbeispiel

Angenommen Sie legen 5.000 € gewinnbringend an mit einer Rendite von 9 % pro Jahr (In guten Marktphasen durchaus realistisch). Der Anlagehorizont beträgt 10 Jahre.

Variante 1) Sie beschäftigen sich nicht weiter mit dem Thema und lassen das Geld für Sie arbeiten. Dann wird aus den 5.000 € nach 10 Jahren ein stolzer Betrag von 11.836 € (5000*1,09^10).

Variante 2) Nach 4 Jahren sind Sie mit der Performance unzufrieden und verkaufen die Aktien um neue zu kaufen. Bis dahin haben Sie 7058 € erwirtschaftet (5000*1,09^4). Da Sie zu diesem Zeitpunkt ja Gewinne realisieren, werden 25 % Abgeltungssteuer fällig auf ihren Gewinn. Im Endeffekt bleiben Ihnen 6543 € um neu zu investieren. Sie entscheiden sich für einen Fonds. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass der Fonds genau dieselbe Rendite erwirtschaftet, nämlich 9 % (welch ein Zufall). Nach weiteren 6 Jahren steht Ihr Investment bei 10.973 €. Allerdings fällt hier wieder die Abgeltungssteuer auf den Gewinn an (Vater Staat möchte natürlich auch was haben) und zusätzlich will der Fondsmanager noch 5 % Ausgabeaufschlag abkassieren. Nach allen Abzügen bleiben Ihnen also noch 9644 € und die Kosten für das Ordern müssen Sie natürlich auch noch abziehen!

Was hat das viele umschichten bewirkt? Im Endeffekt haben die Broker und Banken/Fondsmanager ein nettes extra Sümmchen eingesteckt und Ihrer Performance negativ gelitten. Natürlich war das Beispiel oben etwas ‚konstruiert‘ und der Ausgabeaufschlag für den Fonds führt zu Extrakosten (man muss ja nicht in einen Fonds investieren), aber es sollte eben auch zeigen, was möglich ist. Außerdem schichten viele Menschen ja auch viel öfters um, als einmal in 10 Jahren.

Natürlich kann das Umschichten auch notwendig und sinnvoll sein, um auf aktuelle Geschehnisse zu reagieren, aber um nicht zu viel (unnötiges) Geld zu verlieren, sollten Sie sich folgende Tipps zumindest einmal durchlesen:

Tipps um zu viel ‚Hin und Her‘ zu vermeiden

  • Schlafen sie noch einmal eine Nacht über die Entscheidung bevor sie handeln, um eine emotionale Spontanreaktion zu vermeiden
  • Legen Sie am Anfang eine Strategie fest, von der Sie nur im Ausnahmefall abweichen
  • Machen Sie sich Notizen mit Kurszielen (Kurse erholen sich auch oft und erreichen dann doch noch das geplante Ziel)
  • Checken Sie nicht zu oft die Kurse und schalten Sie einfach mal ab (Das macht nur nervös und führt zu unüberlegten Handlungen und Panikreaktionen)
  • Wenn es zu Ihrem Charakter passt, können Sie auch den Preis, für den Sie eingekauft haben, ausblenden. So werden Sie nicht mit (kurzfristigen) Verlusten konfrontiert und fühlen sich zum Handel aufgefordert. Außerdem gibt es Studien, die besagen, dass sich ein Gewinn von 10 € lang nicht so gut anfühlt wenn Sie gleichzeitig mit einem anderen Investment 10 € verloren haben, obwohl es ja eigentlich auf dasselbe herauslaufen sollte.
  • Natürlich müssen Sie sich auch Fehler eingestehen und eine Position zu verkaufen kann durchaus sinnvoll sein, auch wenn es eben höhere Ordergebühren mit sich bringt.

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